Gott lädt uns ein
Eigentlich passt das gar nicht zusammen:
„Du sollst ... lieben.“ Liebe, Zuwendung und Anteilnahme lassen sich weder anordnen noch befehlen. Durch Zwang werden sie letztlich in ihr Gegenteil verkehrt. Denn Liebe hat etwas mit Freiheit zu tun. Wer von uns könnte sich auf Befehl einem Mitmenschen wirklich innerlich zuwenden? Und wer von uns wollte Anteilnahme, die nicht aus dem Herzen kommt, sondern bloß ein moralisches Gebot abhakt?
Nun werden Liebe, Zuwendung und Anteilnahme allerdings oft schmerzlich vermisst – in unserem persönlichen Dasein ebenso wie im gesellschaftlichen Miteinander. Wir brauchen sie dringend, denn kein Mensch kann und will nur für sich allein existieren. Und wo die Maxime gilt: „Jeder ist sich selbst der Nächste“, da herrschen Eigennutz, Verschlossenheit und Angst, da stirbt etwas von dem ab, was uns menschlich macht. Deshalb ist es nicht gleichgültig, wie wir miteinander umgehen.
Das alte Gebot der Bibel will und kann keine Liebe erzwingen. Aber es mahnt: Nimm den anderen so ernst wie dich selbst. Wie du selbst hat er oder sie Wertschätzung, Respekt und Anteilnahme verdient. Schließlich gibt es uns Menschen nur als Mit-Menschen. Und Mit-Menschen stehen auf der gleichen Stufe, sind alle gleich viel wert. Alle sind wir von Gott her mit gleicher Würde, gleichen Rechten und ielen Gaben ausgestattet. Alle seiner Liebe entsprungen und zur Liebe eingeladen. Zur Selbst- und zur Nächstenliebe.
Das ist eine Einladung, die uns allen guttut.
Also: Ängstliches Kreisen um uns selbst und gnadenlose Konkurrenz oder gleichberechtigte Wertschätzung, Sorge füreinander und Solidarität? „Du sollst, kannst und darfst deinen Mitmenschen lieben, so wie du dich selbst lieben sollst, kannst und darfst.“ Das sagt uns Gott.
Und wir sind so frei.

